Bequemlichkeit - Verantwortung

 

Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich ein Gewissen hat, einen Arzt, der für mich Diät beurteilt, und so weiter, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.

  

Immanuel Kant (1724 - 1804), deutscher Philosoph

 

 

Zwei Beispiele die für mich das Thema Bequemlichkeit – ich nenne es Verantwortung – aufzeigen.

 

Eine Freundin wollte mich besuchen und mit mir Essen gehen. Auf dem Weg zu mir ist sie in eine Radarfalle bei einem Ausflugsziel im Wald geraten. Das erste was ich hörte als sie bei mir ankam, war das Geschimpfe über die Radarfalle, denn an diesem regnerischen Tag ist doch dort eh keiner unterwegs, reine Geldschinderei. Dies habe ich über den Abend mehrfach vernommen. Einige Zeit später im Telefonat habe ich dann gehört, sozusagen als Begrüßung, wie teuer doch der Abend mit mir war, weil der Strafzettel recht hoch ausgefallen ist.

 

Im Sinne von Kant bequem, oder? Die anderen sind schuld, nicht ich, die ich entgegen den Regeln dieses Straßenabschnitts zu schnell gefahren bin. Nicht meine Verantwortung, oder?

 

Ein Freund ist arbeitslos und „eigentlich“ auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Ich möchte helfen und durchforste die Stellenanzeigen in der Zeitung und schlage ihm Stellen vor, gehe sogar – in der Zeit vor den Online-Bewerbungen - soweit die Bewerbungen zu schreiben und auszudrucken, so dass er nur noch unterschreiben muss.

 

Im Sinne von Kant bequem für ihn, oder? Der Arme ist arbeitslos und ich möchte helfen. Meine Verantwortung, oder?

 

Kennen Sie so ähnliche Beispiele? Was ist nun meine Verantwortung und was nicht? Wann schiebe ich anderen die Verantwortung zu? Wann nehme ich anderen die Verantwortung ab? Für mich auch die spannende Frage, ist es gut für mich oder für den anderen die „Bequemlichkeit“ zu unterstützen?
Verantwortung für das eigene Leben und nur für das eigene Leben zu übernehmen, was ist daran oft so schwer?
Es heißt für mich die Konsequenzen zu akzeptieren, im ersten Beispiel, den Strafzettel bezahlen ohne sich endlos über die andern aufzuregen.
Es heißt für mich, den Freund selbst nach der neuen Stelle Ausschau halten zu lassen oder auch nicht, er entscheidet selbst wann es Zeit dafür ist, auch wenn ich das vielleicht anders empfinde. Was nicht heißt, dass ich ihm nicht helfe, wenn er selbst die Verantwortung übernimmt und Unterstützung benötigt.

 

 

Ich unterstütze mich in solchen Situationen gerne mit dem Fingerhalten aus dem Jin Shin Jyutsu®.
Einfach die Finger mit den Fingern der anderen Hand umschließen und geschehenlassen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Mary Ann H. (Donnerstag, 20 Februar 2014 12:21)

    Ich möchte mich hier nicht über Beispiele auslassen, dazu gibt es so viele (sie sind sich alle ähnlich), dass der Blog gesprengt würde.

    Die Freundin hat die Verantwortung für die Zahlung der Strafe wohl übernommen; aber sie sieht ihre Verantwortung für die Gefährdung anderer durch zu schnelles Fahren nicht. Darauf darf man jemanden, insbesondere eine Freundin, aufmerksam machen - dafür sind Freunde da!
    Heute ist es commode andere verantwortlich zu machen um sich selbst und anderen die Wichtig- und Unfehlbarkeit vorzutäuschen. Zu finden ist das Verhalten überall: man bläht sich auf, täuscht vor, stellt dar und ist zum Schluss nicht verantwortlich, selbst wenn es offensichtlich ist!
    Wenn Sie "schuld" sind, dass die "Freundin" auf dem Weg zu Ihnen einen Strafzettel erhält, dann sollten Sie dies zugeben, ihr anbieten das Protokoll zu zahlen und ihre Reaktion abwarten (lol).

    Im zweiten Beispiel stürzt sich jemand ohne große Bedenken in die Hilfe indem er einfach alles Tun und Denken übernimmt. Ist das Verantwortung: die totale Unterstützung von Bequemlichkeit, von Unfähigkeit? Einerseits kann man das so sehen! Andererseits erhält die so vollständig gepamperte Person einen Vormund.
    In solchen Fällen würde jeder gerne unterstützend eingreifen; man kann es kaum mit ansehen, man weiß es besser, man regt sich auf, man denkt, man handelt, man schimpft sogar - nur es bringt kaum was (nichts wäre jetzt übertrieben). Die Abwehrhaltung des "Geholfenen" wird umso größer je mehr auf ihn eingeredet wird, je mehr Dinge jemand für ihn erledigen will. Er sieht vieles ein, will sich nicht unter Kuratel stellen lassen und lehnt erstmal alles ab - ist er dann bequem? Oder hat er Angst seine Freiheit zu verlieren? Oder die Vernunft abgesprochen zu bekommen? Oder will er einfach nicht weiter verunsichert werden? Hier stellt sich eher die Frage, warum kann/will dieser Mensch zu diesem Zeitpunkt die Verantwortung für sein Leben nicht übernehmen. Anscheinend wollte er ganz bestimmt nicht, dass jemand anderes seine Verantwortung wegnimmt. Die Konsequenzen werden eben nicht von diesem "Verantwortungsbewussten" getragen werden (es sei denn es handelt sich um eine partnerschaftliche Lebensgemeinschaft, die auf Zukunft gerichtet ist, was wieder etwas anderes ist).
    Wäre es besser gewesen, wenn alles wie erhofft gelaufen wäre? Vielleicht aus Ihrer damaligen Sicht, aber aus der Sicht des Arbeitssuchenden?

    Es ist nicht leicht jemand anderem die Eigenverantwortung aufzuzeigen oder ihm dazu Hilfe anzubieten.
    Vielleicht ist der Freundin gar nicht bewusst, welche Konsequenzen Raserei nach sich ziehen können. Und den Freund muss man sich auch nicht unbedingt mit der Bierflasche am Bahnhof vorstellen, nur weil er sich anders als erwartet verhält.
    "Aus dem ist was geworden" heißt bei den vielen, er verdient entsprechend Kohle - wenn das alles ist, gute Nacht.

    Kann/Muss man etwas dafür tun, dass andere Menschen Verantwortung für sich bzw. ihre Taten übernehmen (wollen/können) oder sollte man alle Reaktionen unterlassen? Ich denke, wenn es wichtig ist, sollte ich Anregungen auch ohne Nachfrage anbieten dürfen - es ist eben nicht alles egal!

    Ja, die Verantwortung im Kleinen ist schwierig. Und wieoft verweigern wir die Verantwortung im Großen?
    Suchen wir Freiheit, Sicherheit, Bequemlichkeit, Glück, wollen wir Verantwortung tragen, können wir für andere Verantwortung übernehmen? Wie hängt alles zusammen? Wieviel möchte ich von jedem? Bin ich geistig überhaupt in der Lage das beurteilen zu können? Zweifel, Suche über Jahrhunderte.

    Liest man die gesamte Erklärung von Immanuel Kant aus der das Zitat stammt, wird vieles klarer; daher zum Abschluss dieser Hinweis
    https://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm
    nicht ohne die Bemerkung, dass auch Kant irren kann.